Das war der Mädchenbeirat 2014


Wrklich was bewegen - Mädchen gestalten Zukunft

Allgemein

Die Hil-Foundation unterstützt Menschen, die weniger Chancen haben als andere, ihr Leben selbstbestimmt zu führen. Sie setzt dabei auch einen Schwerpunkt auf die Mädchenarbeit und die gesellschaftliche Partizipation von Mädchen und jungen Frauen. Projekte, die Mädchen stark machen, werden mit bis zu 5.000 € unterstützt. Die Projekte sollen beitragen, dass Mädchen und Frauen frei von Gewalt leben können und dass sie in der Gesellschaft mitentscheiden.

Und hier kommt der Mädchenbeirat ins Spiel! Denn wer könnte besser darüber ent-scheiden, welche Projekte unterstützt werden sollen, als Mädchen und junge Frauen selbst!

 

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Die Projektidee gibt es schon länger und kommt aus Deutschland und zwar von filia. die frauenstiftung. In Absprache mit Filia wurde diese von der Hil-Foundation für Österreich übernommen. 2014 startete der Mädchenbeirat erstmalig. Mitmachen konnten Mädchen und junge Frauen im Alter zwischen 14 – 25 Jahren, die in Österreich wohnen.
Ganz besonders wichtig war dabei die bunte Zusammenstellung, damit ist gemeint, dass Mädchen und junge Frauen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten, mit un-terschiedlicher Herkunft, sexueller Orientierung,… teilnehmen konnten.

Anfang Dezember war es so weit: Insgesamt acht junge Frauen mit und ohne Migrations-hintergrund oder Behinderungen… tagten dazu von 04. – 06.12.2014 im wunderschön-en Schloss Retzhof in der Steiermark, der auch die Kriterien der Barrierefreiheit erfüllte.

Ablauf

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Erst mal hieß es für die Mädchen ankommen und ein-checken, sich kennenlernen und warm werden unter-einander.

Nach dem Abendessen richteten sie den Schwerpunkt darauf, was es bedeutet, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, welche welche sichtbaren und unsichtbar-en Barrieren hier oft schon aufgrund des Geschlechts bzw. der Rollenzuschreibungen in den Weg gestellt werden.

 

Vertiefend dazu setzten sich die Teilnehmerinnen mit Frauenbiografien auseinander und schrieben fiktive Geschichten. Verschiedene Übungen und Methoden aus der Biografiar-beit trugen dazu bei, die Vielfalt in den Lebensrealitäten von jungen Frauen für die Teil-nehmerinnen sicht- und spürbar zu machen und darin auch Gemeinsamkeiten aufzu-zeigen. Klar wurde dabei, wie viel Energie es z.B. braucht, als Mädchen bzw. Frau den eigenen Weg zu gehen, die eigenen Wünsche und Ziele zu verfolgen und den eigenen Körper so anzunehmen wie er ist. Es ist nach wie vor eine Herausforderung, die Be-grenzungen, die durch die Geschlechterrollen aufgelegt sind, aufzuheben.

 

IMG_0068Diese Annäherungen öffneten den Raum um über Selbstbestimmung nachzudenken, Reflexion, Kennen-
lernen und Austausch zu ermöglichen und weiter zu diskutieren, was es heißt, eine Frau zu sein in unter-schiedlichen Zeiten, Ländern…

Dabei wurden auch folgenden Fragen aufgegriffen: „Frauenleben als Vorbilder“ wo in der Geschichte bzw. im Unterricht sind diese sichtbar? Hat das Aussehen, die soziale Herkunft, der Familienstand dabei eine Bedeutung? Gibt es Frauen in meiner Umgebung, die für mich Vorbildwirkung haben?

 

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Es war den Trainerinnen, Alexandra Reitmaier und Teresa Lugstein, wichtig, aufzuzeigen, dass sich Frauen durch Reflektieren ihrer eig-enen Lebenssituation befreit und somit wes-entlich dazu beigetragen haben, die Gesell-schaft zu verändern. Sie haben sich stark gemacht z.B. für die Rechte von Frauen, für das Wahlrecht, den Zugang zu Schule und Studium, den Schutz vor Gewalt, für die Erwerbstätigkeit, Familienrecht…

Was für viele jungen Frauen heutzutage selbstverständlich ist, ist auf die Errungenschaften einzelner Frauen zurückzuführen.

Die Botschaft von Alexandra und Teresa an die Teilnehmerinnen des Mädchenbeirats: „Ihr tragt die Entscheidung über Projekte, ihr mischt aktiv mit und seid ein Teil dieser Gesellschaft: Ihr als Person, mit euren Lebenshintergrund und euren Erfahrungen als Basis für eure Entscheid-ungen. Deshalb interessiert uns auch – wer ihr seid!“ ist angekommen.


IMG_0067Am Samstag Vormittag stand daher die Auseinandersetz-ung mit der eigenen biografischen Entwicklung und Leb-enssituationen im Zentrum. Dazu waren verschiedene Stationen im Raum aufgebaut.

In Einzelarbeiten und im Austausch im Plenum setzten sich die jungen Frauen mit unterschiedlichen Fragestellungen auseinander: Was ist mir wichtig im Leben, jetzt im Moment und vielleicht später? Welche Bedeutung haben Netzwerke und Beziehungen für meinen Weg? Wo habe ich Tankstellen? Welche Wünsche habe ich ans Leben, welche Sehnsüchte und Visionen? Wo sind Gegensätze und Spannungen spürbar? Was bedeutet für mich ein „gelungenes“ Leben?

 

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Entscheidungsfindungsprozess

Der Bogen war nun gespannt: Warum bin ich da – was hat das Ganze mit mir zu tun – was kann ich dazu beitragen?
In weiterer Folge erstellten die Teilnehmerinnen des Mädchenbeirats eigene Kriterien, die in die Projektaus-wahl einflossen. Die aktive Einbindung der Mädchen und jungen Frauen bereits in die Planung und Gestaltung der Projekte, eine breite Öffentlichkeitswirkung, die Auseinandersetzung auf unterschiedlichen Ebenen mit unterschiedlichen Schwerpunkten, ein niedrigschwelliger Zugang, das Erreichen einer breiten Zielgruppe, Nachhaltigkeit u.a.m., wurden als wichtige Argumente für die Auswahl genannt.

IMG_0054Alle Projekte wurden von den beiden Trainerinnen präsentiert, zur besseren Überschaubarkeit gab es dazu ein Hand-out für die Vertreterinnen des Mädchenbeirats.

Anschließend setzten sich die jungen Frauen in Einzel- als auch in Gruppenarbeiten intensiv mit den eingereichten Projektanträgen auseinander, sie argumentierten und diskutierten darüber.

Letztendlich hat der Mädchenbeirat geschlossen die Entscheidung getroffen, welche fünf Projekte unterstützt werden sollten. Es war nicht leicht für die Mädchen, aus dieser Fülle und bunten Vielfalt auszuwählen. Da alle eingereichten Projekte darauf ausgerichtet sind, Mädchen u.a. in ihrer Selbstbestimmung zu stärken.

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Hier gehts zu den ausgewählten Projekten 2014

Es war überraschend und schön, zu erleben, mit welcher Ernsthaftigkeit und Genauigkeit die jungen Frauen in diesen Entscheidungsfindungs-prozess gingen, welche kritischen Fragen sie dazu stellten und wie sehr sie sich ihrer Verantwortung bewusst waren. „Von wegen also: Mädchen und junge Frauen interessieren sich nicht für Gesellschaft und Politik! Der Mädchenbeirat beweist das Gegenteil“

Abschluss

IMG_0141Nach so viel Auseinandersetzung bildete ein Abendspa-ziergang einen guten Abschluss.

Am Sonntag war nach der Feedbackrunde noch Zeit für einen Ausflug nach Graz, nach diesem  hieß es jedoch Abschied nehmen und es ging wieder in unterschiedliche Richtungen ab nach Hause. Vernetzt bleiben die Teilnehmerinnen aber weiter über ihre eigens dazu eingerichtete facebookgruppe.

 

Resumee der Mädchen

„Ja, ich habe hier Selbstvertrauen gefühlt.“

„Ich denke, dass ich sehr viel mitnehmen kann, was ich aber nicht wirklich genau sagen, bzw. definieren kann. Von der Biografie-Arbeit, den verschiedenen Spielen, den Austausch unter uns Mädels….es war sehr viel dabei. 

„Ich habe hier Selbstbewusstsein gelernt, das ich für mein weiteres Leben nutzen kann.“

 

Den Bericht gibt es hier auch als Downloadversion